Die Relevanz des Unkonkreten

„Raumdings“ Prozess zur Ideenfindung

Der aktuellen Planung im Rahmen des design.build geht ein ausführlicher Ideenfindungsprozess „Raumdings“ benannt, zuvor. Dabei wurden Mitglieder und Interessierte eingeladen, sich aktiv an der Entwicklung des Areals zu beteiligen. Beginnend mit Impulsvorträgen wurden an drei Wochenenden in verschiedenen Workshops Zukunftsvisionen behandelt, um eine breite Basis für die nächsten Schritte der Erarbeitung des Raumprogramms zu haben. Die Themenstellung war dabei abstrakt. Intuition, Emotion und Vision wurde Raum gegeben, die eigentliche Funktion im Sinne des Raumprogrammes, blieb (auf den ersten Blick) im Hintergrund. Die Debatte über einzelne Lösungen, die Abkürzung vom Wunsch zum konkreten Ergebnis wurde gemieden.

Lösung  vs. Frage

Spricht man über Bauen bzw. zu Bauendes haben in der Regel alle Beteiligten vorgeformte Bilder im Kopf. Äußeres Erscheinungsbild, einzelne Funktionsanforderungen, Gesehenes und Erlebtes bilden eine Melange an Bausteinen, die sich allzu rasch zu einer fertigen Lösung verdichten.

Selten werden dabei Zusammenhänge genau hinterfragt und hinterleuchtet. Architektur bietet – im idealen Fall – nachhaltige räumliche Lösungen für komplexe Lebenssituationen, die planerische Realität stellt dabei selten die Fragen in Frage. Die Lösung steht während des Entwicklungsprozesses im Raum und wirft ihre gestalterischen Schatten.

Bild vs. Entwicklung, Umweg als Ausweg

Im Rahmen der Ideenfindung wurden daher Fragestellungen formuliert, die keine konkreten Antworten zu Räumen und Funktionen als Ziel hatten. Die Teilnehmer*innen am Prozess wurden dazu eingeladen, die ausgetretenen Pfade des Denkens zu verlassen und ihren Intuitionen zu folgen.

„Raumdings“: der Ideenfindungsprozess zur Entwicklung des Areals fand unter reger Beteiligung statt.

„Der Blick zurück“

wurde von Luise Ogrisek, die über langjährige Erfahrung im Coaching-Bereich verfügt, moderiert und begleitet. Der Workshop war nach Grundsätzen des „dragon dreamings“ aufgebaut. Die Methode unterstützt intuitives und kognitives Erfassen und eröffnet ganzheitliche Perspektiven. Die Teilnehmer*nnen haben dabei retrospektiv (aus Sicht des Jahres 2024) über Erlebtes, Erfahrenes und Erreichtes in Zusammenhang mit dem Gelände nachgedacht.

Timetabe – der zeitliche Ablauf als Fragestellung

Die Teilnehmer*nnen wurden aufgefordert ein Jahresprogramm, anhand eines konkreten Kalenders zu definieren. Wie schon beim „dragon dreaming“ sollten die Ideen und Vorschläge reihum von allen Teilnehmenden eingetragen werden. Die strukturierten Abläufe ohne „Zwischendurchdiskussionen“ sind dabei entscheidend, da so tradierte Kommunikationsmuster außer Kraft gesetzt und Alle (auch die Leisen) gehört werden.

Imag(e)motion[1]

Alle Interessierten wurden eingeladen drei persönliche Bilder zum Ort („was verbindest Du mit dem Sonnenpark/ LAMES“?) zu übermitteln. Die Teilnehmer*innen hatten jeweils drei „likes“ zu den ausgestellten Bildern zu vergeben und konnten ergänzend drei Kommentare abgeben. Die Bilder und Kommentare werden nach Anzahl der likes gewichtet und in Themenästen dargestellt. Das selbstentwickelte Format bedient dabei ebenso eine intuitive Ebene, um über Bilder zu Inhalten und Wünschen zu gelangen.

Die Relevanz des Unkonkreten

Die Auswertung und Zusammenführung der Ergebnisse zeigt die Relevanz des „Unkonkreten“ und liefert eine valide Basis für weitere Entwicklungsschritte. Eine Überlagerung der einzelnen Workshopergebnisse bestätigte die Zielvorstellungen. Im Falle der Vereine Lames und Sonnenpark war dabei die besondere Bedeutung von Orten und Räumen für die Community und für Experimente evident. Nicht einzelne Nutzungen dominierten, sondern der Wunsch nach „mehr Raum für Alle“ um den Ort gemeinschaftlich weiterzuentwickeln.

Beitrag verfasst von: Wolfgang Thanel
Gemeinsam mit Luise Ogrisek begleitete Wolfgang Thanel die Vereine im Rahmen mehrerer Workshops unter dem Motto „Raumdings“ im Jahr 2019 und leitet gemeinsam mit Peter Fattinger das aktuelle design.build der TU Wien, am Spratzerner Kirchenweg.

Fotos: Jasmina Dzanic, Grafiken/Bildmaterial: Wolfgang Thanel & Luise Ogrisek
[1] Ein von Wolfgang Thanel entwickeltes Format.

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